BASELkillsWORLD / Ballon-Prozess

Freispruch: Kritik an Baselworld berechtigt

Mit einem an Ballonen befestigten Banner wollten AktivistInnen an der Eröffnung der Baselworld 2018 auf die dreckigen Seiten der Schweizer Goldindustrie aufmerksam machen und die Rolle des Kantons Basel-Stadt als grösster Aktionär der Messebetreiberin der Baselworld kritisieren. Nach Verhinderung des Protests durch die Polizei, hat die Staatsanwaltschaft Basel drei Personen wegen «groben Unfugs» angeklagt. Das Gericht hat heute die Einschränkung der Meinungsäusserungsfreiheit gestoppt und die AktivistInnen freigesprochen. Die drei beschuldigten AktivistInnen liessen sich von der Staatsanwaltschaft nicht wie Problemgold einschmelzen und standen für ihr Recht auf freie Meinungsäusserung ein.

Katastrophale Folgen des Goldabbaus werden ignoriert

Vier der weltweit grössten Goldraffinerien befinden sich in der Schweiz, rund 70% der Weltgoldproduktion importiert die Schweiz. Der Basler Strafrechtsprofessor Mark Pieth sammelte in seinem kürzlich erschienenen Buch Fälle, in denen die Goldgewinnung einhergeht mit Umweltzerstörung, Zwangsarbeit, Menschenhandel, Enteignung und Vertreibung (Goldwäsche – die schmutzigen Geheimnisse des Goldhandels. Elster & Salis, Zürich 2019). Laut Recherchen bleiben bei der Gewinnung des Goldes für einen Ehering 20 Tonnen Sondermüll zurück. Die problematischen Seiten der Goldindustrie sind mit zahlreichen Studien belegt und es ist klar, dass die Folgen des Goldabbaus vielfältig katastrophal sind und mit Sicherheit zukünftige Generationen belasten werden.

Dass die Kritik an der Goldindustrie und der Stadt Basel, die mit über 30% der Aktien an der Messebetreiberin MCH Group deren grösste Aktionärin ist, mit «grobem Unfug» bestraft wird, zeigt auf, wie verschoben die Wahrnehmung von globaler Verantwortung momentan ist. Die heute freigesprochenen AktivistInnen werden auch in Zukunft hinschauen: Auf jene Probleme, welche die städtische Politik und die schweizerische Goldindustrie bisher meisterhaft ignorierten.

Medienberichte vor dem Prozess:

BZ: «Sie wollten gegen Blutgold protestieren – jetzt stehen sie vor Gericht» (12.11.2019)

20min: «Blutgold-Protest an der Baselworld gestoppt» (27.03.2018)

Tageswoche: «Polizei lässt Protest-Aktion gegen Baselworld platzen» (22.03.2018)


Ballon-Prozess: Grober Unfug wegen Protest an Baselworld

Datum: Mittwoch, 13. November 2019

Ort: Strafgericht Basel-Stadt (Schützenmattstrasse 20, 4009 Basel)

Zeit: Ab 13:00 Besammlung und Aktion vor dem Strafgericht, ab 14:00 Verhandlung

Der Ballon-Prozess wird von einer bunten, kreativen Aktion begleitet werden. Alle sind herzlich dazu eingeladen, daran teilzunehmen. Zeigen wir uns solidarisch!

Mit einem an Ballonen befestigten Banner wollten AktivistInnen an der Eröffnung der Baselworld 2018 auf die dreckigen Seiten der Schweizer Goldindustrie aufmerksam machen und die Rolle des Kantons Basel-Stadt als grösster Aktionär der Messebetreiberin der Baselworld kritisieren. Nach Verhinderung des Protests durch die Polizei sind nun drei Personen wegen «groben Unfugs» angeklagt. Am Mittwoch, 13. November um 14 Uhr, kommt es zur Verhandlung vor dem Strafgericht Basel-Stadt. Die drei beschuldigten AktivistInnen werden sich nicht wie Problemgold einschmelzen lassen und stehen ein für ihr Recht auf freie Meinungsäusserung.

Katastrophale Folgen des Goldabbaus werden ignoriert

Vier der weltweit grössten Goldraffinerien befinden sich in der Schweiz, rund 70% der Weltgoldproduktion importiert die Schweiz. Der Basler Strafrechtsprofessor Mark Pieth sammelte in seinem kürzlich erschienenen Buch Fälle, in denen die Goldgewinnung einhergeht mit Umweltzerstörung, Zwangsarbeit, Menschenhandel, Enteignung und Vertreibung (Goldwäsche – die schmutzigen Geheimnisse des Goldhandels. Elster & Salis, Zürich 2019). Laut Recherchen bleiben bei der Gewinnung des Goldes für einen Ehering 20 Tonnen Sondermüll zurück. Die problematischen Seiten der Goldindustrie sind mit zahlreichen Studien belegt und es ist klar, dass die Folgen des Goldabbaus vielfältig katastrophal sind und mit Sicherheit zukünftige Generationen belasten werden.

Dass die Kritik an der Goldindustrie und der Stadt Basel, die mit über 30% der Aktien an der Messebetreiberin MCH Group deren grösste Aktionärin ist, mit «grobem Unfug» bestraft werden soll, zeigt auf, wie verschoben die Wahrnehmung von globaler Verantwortung momentan ist. Während des Ballon-Prozesses werden die AktivistInnen hinschauen: Auf jene Probleme, welche die städtische Politik und die schweizerische Goldindustrie bisher meisterhaft ignorierten.

Medienberichte zur Aktion:

20min: «Blutgold-Protest an der Baselworld gestoppt» (27.03.2019)

Tageswoche: «Polizei lässt Protest-Aktion gegen Baselworld platzen» (22.03.2018)

MEHR INFOS ZUR AKTION

*Diese Ballon-Aktion steht in keinem Zusammenhang mit anderen Geschehnissen rund um Ignorance Unlimited.*


27. März 2018

Nachdem die Polizei vergangene Woche Aktivist*innen am politischen Protest gegenüber der Baselworld gehindert hat, formierte sich nun eine neue Widerstandsgruppe. In der ganzen Stadt und auf offiziellen Plakaten wurde mit Aufklebern auf die Schattenseiten der glanzvollen Uhren- und Schmuckmesse hingewiesen: BASELkillsWORLD

Ausführliches Statement ist weiter unten in der ersten Mitteilung zur Baselworld zu finden.


22. März 2018

BASEL KILLS WORLD

Heute wurde die Baselworld eröffnet. Der Kanton Basel-Stadt besitzt über 30% der Aktien. Diese Investitionen stehen in Zusammenhang mit Ausbeutung und Umweltzerstörung, doch die unschöne Seite der Messe wird in der Heimatstadt getrost ignoriert. Die Basler Regierung hält diese Ignoranz aufrecht. Ganz nach dem bereits bekannten Motto: Ignorance Unlimited.

Aktivist*innen halten dagegen und fordern: Let‘s talk about ingnorance! Sie versuchten an der Eröffnungsfeier ein rund 8 Quadratmeter grosses Transparent mit Ballonen an die Decke der Messe steigen zu lassen. Mit der Aufschrift ‚BASEL KILLS WORLD‘ wollten sie auf die Schattenseiten der glanzvollen Uhren- und Schmuckmesse aufmerksam zu machen. Die Polizei hat die Aktivist*innen jedoch am politischen Protest gehindert und schützt damit die staatlich angeordnete Ignoranz.

Die Schweiz und ihre Goldindustrie

Die enge Verstrickung von Basel mit der Uhren- und Schmuckmesse verlangt, sich auch mit Edelmetallen, speziell dem Gold ausseinander zu setzen. Die Schweiz nimmt als Rohstoffdrehscheibe für Gold eine Sonderrolle ein. Während andere Rohstoffe zwar über die Schweiz gehandelt werden, diese aber nicht passieren, gelangt Gold auch physisch in die Schweiz. Insgesamt sechs Raffinerien teilen sich 90% des weltweiten Handelsvolumen unter sich auf, vier davon haben ihren Sitz in der Schweiz. 70% des jährlich weltweit abgebauten Goldes wird von hiesigen Firmen aufgewertet. Über die Hälfte wird von der Schmuck- und Uhrenindustrie weiterverarbeitet.

Für den Abbau von Gold wird häufig Cyanid und Blei verwendet. Diese hochgiftigen Stoffe lagern sich im Körper der Goldschürfenden ab und gelangen in die Umwelt. Doch das ist nur ein Beispiel im Zusammenhang mit dem Goldabbau und -Handel. Studien (1) berichten auch von Menschenhandel, der Finanzierung von Kriegen und Umsiedlungen von ganzen Regionen. Probleme rund um den Goldabbau und -Handel sind seit langem bekannt, ignoriert werden sie aber während der Baselworld, der weltweit bedeutensten Uhren- und Schmuckmesse.

Basel und die MCH Group: Szenen einer Ehe

Betrieben wird die Baselworld von der MCH Group. Deren Verwaltungsrats-Präsident Ulrich Vischer schwärmt in einem Video anlässlich des 100-Jahre Jubiläums von der langjährigen Partnerschaft mit Basel. „Man könnte sagen: eine gute Ehe. Denn Basel liebt seine Messe und wir Messemacher lieben Basel.“

Diese Aussage, bringt die Verstrickung von Basel mit der Uhren- und Schmuckmesse sinnbildlich auf den Punkt. Denn der Hauptaktionär der MCH Group ist die öffentliche Hand. So besitzt der Kanton Basel-Stadt über 30% der Aktien und ist damit der mit Abstand grösste Aktionär des Unternehmens. Neben Zürich und Basel-Landschaft, welche ebenfalls Aktien besitzen, darf Basel-Stadt zudem Verwaltungsratsmitglieder bestimmen. Momentan sind das unter anderem die Regierungsräte Christoph Brutschin als Vizepräsident, sowie Eva Herzog als Mitglied des Verwaltungsrats.

Die Ehe, welche Basel mit der MCH-Group geschlossen hat ist das Sinnbild einer unlimitierten Ignoranz. Basel investiert sein Geld in ein Unternehmen, das globale Zerstörung und Ausbeutung ermöglicht. Das Versprechen von Arbeitsplätzen und Vorteilen im Standortmarketing wird mit allen Mitteln gepusht. Die darauf beruhende ökologische Zerstörung und globale Ausbeutung wird ignoriert und dadurch in einer breiten Öffentlichkeit weder bewusst wahrgenommen noch kritisch reflektiert. Ein Zusammenhang, der konstant ausgeblendet wird und dadurch stetig weiterbestehen kann.

Das Erkennen von Zusammenhängen stellt sowohl den Beginn einer Auseinandersetzung als auch den Anfang einer Veränderung hin zu einer solidarischen Lebensweise dar. Eine globalisierte Wirtschaft hat globale Konsequenzen und folglich eine Verantwortung, die nicht an Ländergrenzen abprallt. Ausbeuterische Machenschaften von hier ansässigen Unternehmen, die Verstrickung von Basel mit globaler Zerstörung müssen thematisiert und kritisiert werden. Wir wollen nicht länger wegschauen.

LET‘S TALK ABOUT IGNORANCE.

ignorance-unlimited@immerda.ch

ignorance-unlimited.info

*Diese Aktion steht in keinem Zusammenhang mit früheren Geschehnissen rund um IgnoranceUnlimited.*

(1)